Weißt du, wie groß deine Rentenlücke ist? Also die Differenz zwischen dem, was du im Alter brauchst, und dem, was tatsächlich kommt? Die meisten Frauen wissen es nicht. Nicht, weil die Rechnung zu kompliziert wäre, sondern weil sich niemand traut hinzuschauen. Verständlich. Aber: Eine Lücke, die du kennst, kannst du schließen. Eine, die du verdrängst, wächst leise weiter.
Deshalb rechnen wir das jetzt zusammen aus. Du brauchst dafür: deine Renteninformation, einen Taschenrechner (oder meinen kostenlosen Rentenlückenrechner) und etwa 10 Minuten Mut.
Was ist die Rentenlücke überhaupt?
Deine persönliche Rentenlücke ist die Differenz zwischen deinem voraussichtlichen Bedarf im Alter und deiner zu erwartenden Rente. Klingt banal, aber in diesem einen Ergebnis steckt deine gesamte Erwerbsbiografie: jedes Teilzeitjahr, jede Elternzeit, jede Gehaltsverhandlung, die du (nicht) geführt hast.
Und ja, es gibt auch die große, strukturelle Version dieser Lücke – den Gender Pension Gap: Frauen ab 65 erhalten in Deutschland im Schnitt rund 1.820 Euro Alterseinkünfte brutto im Monat, Männer rund 2.400 Euro. Das sind etwa 24 Prozent weniger (Statistisches Bundesamt, Stand April 2026). Zählt man nur die selbst erarbeiteten Ansprüche – ohne Witwenrenten –, ist die Lücke sogar noch deutlich größer. Ein Grund: Frauen kommen im Schnitt auf nur 33 Versicherungsjahre, Männer auf rund 42.
Wie aktuell das Thema ist, zeigt gerade die Politik: Im Juli 2026 verteidigte Bundeskanzler Friedrich Merz die geplante Kürzung des Unterhaltsvorschusses mit dem Argument, Alleinerziehende – also meist Mütter – könnten dank besserer Betreuungsangebote ja mehr arbeiten. Wenige Monate zuvor machte in der Union die Debatte über angebliche „Lifestyle-Teilzeit“ die Runde. Die Botschaft zwischen den Zeilen: Wir strengen uns nicht genug an. Die Realität: Fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit – ganz überwiegend wegen Kinderbetreuung und Pflege, nicht aus Bequemlichkeit. Und alleinerziehende Mütter arbeiten sogar häufiger Vollzeit als Mütter insgesamt. Solange dieselbe Politik, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht entscheidend erleichtert, uns gleichzeitig mehr Erwerbsarbeit abverlangt und Unterstützung kürzt, heißt das für mich vor allem eins: Auf unsere Altersvorsorge müssen wir selbst schauen. Niemand sonst tut es.
Aber heute geht es nicht um die Statistik. Heute geht es um dich.
Schritt 1: Hol deine Renteninformation raus
Die Renteninformation ist der Brief, den die Deutsche Rentenversicherung dir einmal im Jahr schickt (ab 27 Jahren und fünf Beitragsjahren). Falls du ihn – wie ich früher – ungeöffnet abheftest: Jetzt ist der Moment. Falls du ihn nicht findest, kannst du ihn online über die Website der Deutschen Rentenversicherung abrufen.
Wichtig ist die Zeile: „Höhe Ihrer künftigen Regelaltersrente“ – und zwar der Wert ohne Hochrechnung mit Rentenanpassungen. Das ist die ehrlichste Angabe, denn sie zeigt, was du bekommst, wenn du so weitermachst wie bisher.
Für unser Rechenbeispiel nehmen wir Anna, 40, zwei Kinder, aktuell in Teilzeit. In ihrer Renteninformation steht: 1.400 Euro künftige Monatsrente.
Schritt 2: Denk in Netto, nicht in Brutto
Der Betrag in der Renteninformation ist brutto. Davon gehen noch ab:
- Kranken- und Pflegeversicherung: zusammen aktuell gut 12 Prozent
- Ggf. Steuern: Renten sind grundsätzlich steuerpflichtig. Ob und wie viel du zahlst, hängt von deiner Gesamtsituation ab – bei kleineren Renten oft wenig bis nichts.
Bei Anna: 1.400 Euro minus rund 12 Prozent = etwa 1.230 Euro netto. (Vereinfacht gerechnet, vor Steuern.)
Schritt 3: Vergiss die Inflation nicht
Die 1.230 Euro klingen vielleicht noch okay. Aber sie werden erst in 27 Jahren ausgezahlt – und bis dahin knabbert die Inflation daran. Bei nur 2 Prozent Inflation pro Jahr hat ein Euro in 27 Jahren noch etwa die halbe Kaufkraft von heute.
Du musst das nicht exakt ausrechnen (mein Rechner macht das für dich). Merk dir nur das Prinzip: Deine künftige Rente kann sich deutlich kleiner anfühlen, als der Betrag auf dem Papier aussieht. Zwar steigen die Renten in der Regel mit – zuletzt um 4,24 Prozent zum 1. Juli 2026 –, aber verlass dich für deine Planung lieber nicht darauf, dass das die Inflation immer ausgleicht.
Schritt 4: Schätze deinen Bedarf im Alter
Wie viel brauchst du monatlich, wenn du in Rente gehst? Eine gängige Faustregel: etwa 80 Prozent deines heutigen Nettoeinkommens. Manche Kosten fallen weg (Arbeitsweg, vielleicht die Immobilienrate), andere kommen dazu (Gesundheit, mehr Freizeit).
Anna hat heute 2.200 Euro netto. 80 Prozent davon: 1.760 Euro.
Wenn du es genauer magst: Schreib deine heutigen Fixkosten auf und überleg ehrlich, was davon mit 67 noch da ist. Aber für den ersten Überblick reicht die Faustregel völlig.
Schritt 5: Zieh ab – das ist deine Rentenlücke
Jetzt die einfachste und unangenehmste Rechnung des Tages:
Bedarf − zu erwartende Nettorente = Rentenlücke
Bei Anna: 1.760 Euro − 1.230 Euro = 530 Euro Lücke. Pro Monat. Aufs Jahr gerechnet über 6.000 Euro – und das noch ohne Inflationseffekt.
Puh. Durchatmen. Denn jetzt kommt der wichtige Teil.
Deine Rentenlücke ist kein Urteil. Sie ist ein Startpunkt
Ich weiß, wie sich dieser Moment anfühlt. Aber erinnere dich: Diese Lücke ist nicht dein persönliches Versagen. Sie ist das Ergebnis von Teilzeitjahren, Care-Arbeit und einem System, das lange nicht für uns mitgedacht hat. Fast jede zweite abhängig beschäftigte Frau arbeitet in Teilzeit – und etwa jede fünfte Frau über 65 ist armutsgefährdet. Du bist mit deiner Lücke also in sehr großer Gesellschaft.
Der Unterschied zwischen den Frauen, die im Alter klarkommen, und denen, die es nicht tun, ist selten das Gehalt. Es ist der Moment, in dem sie angefangen haben. Eine Lücke von 530 Euro im Monat lässt sich mit einem ETF-Sparplan über 25+ Jahre realistisch angehen – nicht über Nacht, aber Schritt für Schritt. Wie das geht, zeige ich dir in meinen nächsten Artikeln.
Dein nächster Schritt: Rechne dein eigenes Ergebnis aus
Annas Rechnung ist ein Beispiel. Deine eigene ist die, die zählt. Mit meinem kostenlosen Rentenlückenrechner hast du sie in wenigen Minuten – inklusive Inflation, ohne Anmeldung:
Und wenn du danach direkt weitermachen willst: Hol dir den kostenlosen 5-Schritte-Fahrplan zum ersten ETF-Sparplan – direkt in dein Postfach.
Mut zahlt sich aus.
Christina
